Island (2018)

Die einen formulieren ein 'Mission Statement', um auszudrücken, wofür sie stehen. 
Ich versuche es im Folgenden mit der Klärung des Wortgebildes menschzeitschönheit.

MenschZeit
Das erste Foto oben – im Wasser treibendes Eis in der Gletscherlagune Jökulsarlón im Südosten Islands – ist Sinnbild für die grosse Schmelze.
Weltweit schmilzt Eis. 
Als Folge des stetig wärmer werdenden globalen Klimas.
Gletschereis, arktisches oder antarktisches Eis, Permafrostböden verlieren zunehmend ihre ausgleichende und stabilisierende Funktion.
Schmilzt das Eis, schmelzen mit ihm auch die Lebensperspektiven der Menschen. Dieser Prozess beschleunigt sich rasant.
Im 20. Jahrhundert, als Konsequenz der Industrialisierung auf der Basis fossiler Energiequellen, begann der Mensch die globalen Geschehnisse selbst in die Hand zu nehmen. Sosehr sogar, dass die natürliche Klimaentwicklung entlang geologischer Zeithorizonte innert weniger Jahrzehnte in einem Ausmass von menschgemachten Einflüssen überlagert wird, dass es keine Rückkehr zum Zustand von gestern geben kann. Unverrückbares Ziel kann nur noch sein, das weltweite Klima auf einem neuen Niveau zu stabilisieren, welches es auch den Menschen erlaubt, weiterhin Gast auf diesem Planeten sein zu dürfen.
Was nun kommt, ist weder natur- noch gottgegeben. Einzig der Mensch selbst entscheidet über die Perspektiven jetziger und künftiger Human-Generationen. 
Willkommen im Anthropozän, der Menschzeit, dem Menschenzeitalter.

Schönheit
Es geht bei mensch•zeit nicht um weltfremde Schöngeistigkeit, ganz im Gegenteil.
Ein Beispiel aus der Ernährungs- wie auch Genusswelt:
Mein erstes Buch in der Vinipazzi-Buchreihe trägt den Titel: "Naturschönheit" bzw. "Nature-made Beauty – The new art of German Riesling". Ganz im Sinne des Slow-Food-Mottos "buono-pulito-giusto" – gut-umweltgerecht-fair – wird darin dargelegt, wie und warum ein bereits grossartig zu trinkender Wein auch 'schön' im Sinne der ganzheitlich zu verstehenden nachhaltigen Entwicklung sein kann, und den Genuss auf ein neues, ganzheitliches Niveau hebt. Unter anderem ist in diesem Buch auch ein über die Weinwelt hinausreichender Learning-by-Drinking-Essay zum Thema "Wachsen in und mit der Natur" verfasst.
Oder es geht im Sinne einer anthropozänen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft auch um so etwas wie 'politische Schönheit'. Zu Zeiten von Trumpismus, Putinismus, Bolsorarismus, Erdoganismus, Orbanismus, Kaczynskismus, Lukaschenkismus, Dutertismus, Xi-Jinpingismus ist schönes politisches Handeln – menschengerecht, demokratisch, ... – kein Wunschdenken, vielmehr ein Muss.
Schönheit wird also gar zum Imperativ. Das ist gar nicht so neu. Ohne jetzt allzu tief in die Evolutionsbiologie einzusteigen, ist festzuhalten, dass die Evolution eine jahrmillionenalte Erfolgsgeschichte der Schönheit ist. Eine Verkürzung vom "The survival of the fittest" wird von den Neo-Liberal-Darwinisten als Legitimation für Konkurrenz, Härte, wenn nötig auch Brutalität und Zerstörung gesehen. Nur wird dabei vergessen, dass "Fitness" in der von Darwin entdeckten und von vielen weiter vertieften Evolutionslehre vor allem auch Raffinesse (allein die Blütenbiologie ist ein Eldorado an raffinierter Schönheit), Cleverness, insbesondere auch kollektive Intelligenz und die Fähigkeit zur Kooperation miteinschliesst. Die Evolution des lernenden Menschen – nicht umsonst lateinisch "homo sapiens" bezeichnet – ist grundsätzlich darauf ausgelegt, wenn auch über viele neue Um- und Irrwege von Schmerz und Verwüstung, dass die Schönheit über das Böse obsiegt. Gewagte These? Kaum. 
Schönheit und dessen Evolution ist der Nährboden von Zukunftsfähigkeit.
Im Anthropozän, wo der Mensch die verschiedenen Zukunftsmöglichkeiten selbst bestimmen darf und gleichzeitig auch zu bestimmen hat, geht es primär – vorausgesetzt der Mensch will weiter über Generationen hinweg existieren – um diese Form kollektiv schönen Handelns
Gleichzeitig führt im Anthropozän ausgeprägte bis exzessive Selbstbezogenheit sowie Extremismus, Autokratisierung bis hin zu Totalitarismus Regie – mit wachsender Ausbreitung, ja Dominanz. Gemessen an den Dimensionen der Evolution führt dies in die humane Irre. Ungleichheit, Freiheitsberaubung, Ressourcenausbeutung, anhaltende Nichtnachhaltigkeit, Streit, Gewalt, Krieg ist wie jener Ast in einem Stammbaum, aus dem nichts mehr erwächst. Evolutive Sackgasse ist das Gegenteil von evolutiver Fitness. Nicht nachhaltig bedeutet nicht andauernd. Diese Form des Menschseins ist somit schlicht nicht zukunftsfähig. Diese Sackgasse ist wie wenn das bereits als widerlegt geltende "Ende der Geschichte" von Politikwissenschaftler Francis Fukuyama ("The End of History and the Last Man", 1992) doch noch wahr würde. 
Wechseln wir problembewusst den Blick ins Jetzt und Morgen. Die Uhr tickt. Das Anthropozän, Stand 2022, treibt unsere Evolution schon 'zünftig' an, ob wir wollen oder nicht. Und wenn Schönheit der Nährboden der Zukunftsfähigkeit ist, dann gilt:
Ein gutes, sicheres, menschenwürdiges Leben im Anthropozän kann nur kollektiv schönes Entwerfen und Handeln sicherstellen. Viel wird beim Bemühen, dorthin zu kommen, schiefgehen. Am Primat der Schönheit – des human schön Handelns – als einzige generationenübergreifende Zukunftsperspektive in der Menschzeit ändert dies nichts.
Mensch schafft Schönheit.
Schönheit schafft Zukunft.

Die Ausgangsposition von menschzeitschönheit ist vor diesem Hintergrund wohl in Etwa dies:
In einer 'Zunderobsi'-Welt, 
in einer von Steigerungslogik dominierten Welt,
in einer boshaft-brutalen Welt, der
eine anthropozäne Gestaltungsgesellschaft gegenübertritt
wollen und brauchen Menschen
– rechtlich abgesicherte Rahmenbedingungen
für sowohl individuelle als auch gemeinswohlorientierte Freiheiten,
insbesondere für ein selbstbestimmtes Leben für alle
– Vertrauen
– Resonanz
– Klarheit
– Orientierung
– Zuversicht
– wahrhaftige Geschichten 
– Schönheit und Sinnhaftigkeit.
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